Kath. Gemeinde Beeskow/Storkow
Pfarrkuratie Heilig Geist

Zur Geschichte der Gemeinde und der Kirche St. Maria Storkow

Von Pfarrer Georg Leder (1938 - 2010)

Unscheinbar war der Beginn der Gemeinde in Storkow. 1911 wurde am Markt ein stillgelegtes Gasthaus gekauft und in den Gasträumen eine kleine Kapelle für die wenigen Katholiken in Storkow und den vielen Dörfern der Umgebung eingerichtet. Als Außenstation der Pfarrei Fürstenwalde wurde einmal monatlich Gottesdienst gefeiert. Im Jahr 1929 wurde die Umpfarrung zur neuen Pfarrkuratie Beeskow vorgenommen, und als nach dem Preußen-Konkordat das Bistum Berlin aus der riesigen Diözese Breslau ausgegliedert wurde, blieb der Kreis Beeskow-Storkow bei der Erzdiözese Breslau, deren deutscher Rest als Bistum Görlitz bis kurz vor die Tore Berlins reicht.

Unscheinbar blieb die Gemeinde mit ihrer kleinen Kapelle auch nach dem Zuzug der vielen Vertriebenen aus Schlesien, dem Sudetenland und Ostpreußen, wenn auch aus der Außenstation 1947 eine selbständige Pfarrkuratie wurde mit dem aus Landsberg a. d. Warthe vertriebenen Pfarrer Paul Dubianski (1945 - 1957), der nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Dachau nur kurz in seine Pfarrei zurückgekehrt war, um sofort von den Polen ausgewiesen zu werden. In Storkow und den zugehörigen dreißig Dörfern sammelte er die neue Gemeinde, so wurde die Kapelle zur Pfarrkirche St. Maria. An den Folgen der KZ-Haft erkrankt, ging er 1957 in den Ruhestand und starb 57jährig im Jahr 1963. Sein Nachfolger, Pfarrer Joachim Maciejczyk (1957 bis 1960), ging auch krankheitsbedingt in den Ruhestand.

1960 bis 1983 war Georg Jana Pfarrer der Gemeinde. 1964 erfolgte eine bauliche Instandsetzung des Hauses, welches noch schwere Schäden aus den letzten Tagen des Krieges aufwies, und danach die liturgiegerechte Umgestaltung der Kapelle. Die Zahl der Gemeindemitglieder ging infolge Wegzuges wegen fehlender Arbeitsstellen wieder stark zurück. 1983 bis 1987 blieb die Gemeinde ohne eigenen Seelsorger, dann übernahm Pfarrer Bernhard Eichholz (1987 - 1992) das Amt, er starb 1992 im Alter von 58 Jahren. Kurz nach seinem Tod erlebte die Gemeinde die Katastrophe der Zerstörung ihres Hauses.

Durch einen Neubau in der Nachbarschaft wurde der Untergrund beschädigt, und das Haus brach auseinander. Die Schäden schlossen eine Sanierung aus. Wieder übernahm Pfarrer Georg Jana (1992 - 2002) die Gemeinde, die nun wirklich im wörtlichen Sinn „unscheinbar" war, da die Präsenz der katholischen Kirche in der Stadt verloren ging. Für den Sonntagsgottesdienst war die Gemeinde jahrelang zu Gast in der Kapelle des Pflegeheimes der "Armen Schulschwestern Unserer Lieben Frau ,Theresienheim`" im Ortsteil Hubertushöhe.

Viele Bemühungen um einen Ersatzbau scheiterten, schließlich konnte auf einem pfarreigenem Grundstück in Hubertushöhe ein Neubau errichtet werden. In fünf Monaten von Mai bis Oktober 1998 entstand eine ungewöhnliche Kirche auf dem Grundriss „Fisch". Das griechische Wort für Fisch „Ichthys" als Akrostichon aus den fünf Worten „Jesous Christos Theou Hyios Soter" (Jesus Christus Gottes Sohn Erlöser) ist das kürzeste Glaubensbekenntnis aus der Zeit der Urkirche, so wurde das Symbol „Fisch" zum Geheimzeichen der Christen in der Verfolgung.

Diese Idee baulich zu verwirklichen gelang dem Architekten des Baureferates beim Ordinariat des Bistums, Herrn Thomas Backhaus, der zusammen mit der Architektin, Frau Susanne Döbbel-Winkler aus Löbau, die Planung vornahm und den Bau begleitete. Die Konstruktion und den Aufbau der vorgefertigten Holzleim-Elemente - die senkrechte Wand des geschwungenen Fischbauches und die darauf aufliegenden gebogenen Dachbinder - leistete die Firma Burgbacher aus Trossingen. Das Dach als „Wilde Schieferdeckung" wirkt wie Fischschuppen, der Schwanz des Fisches zeigt ein im Baukörper ausgespartes großes Kreuz.

Am 18. Oktober 1998 konsekrierte der Bischof Rudolf Müller die neue Kirche. Das Patronat übernahmen wir von unserer zerstörten Kapelle in der Stadt, und der Bischof ergänzte den Titel „Maria Mutter Christi Urbild der Kirche". Aus der verlorenen Kirche kommen die große holzgeschnitzte Marienfigur, das restaurierte Kruzifix und der Tabernakel mit dem Ewig-Licht-Arm, die im Jahre 1967 von der traditionsreichen Breslauer Goldschmiede-Firma Adolf & Sohn in Burg gefertigt wurden.

Der Altar in Eiche mit einer Schieferplatte hat die stilisierte Form eines Fisches, in den Schwanz ist der Ambo integriert. Der Holzgestalter, Herr Minkus aus Friedrichsdorf, hat den Altar und die Stelen für Tabernakel und Marienstatue, sowie die Konsole für das Weihwasserbecken hergestellt. Der Graphiker, Herr Menge aus Berlin, gestaltete den Kreuzweg.

Die Ausführung des raumbestimmenden Fensters in der Ostwand durch Herrn Warme mit der Glaswerkstatt Walter aus Berlin nimmt das Thema des Marien-Patronats auf. Dieses sieben Meter hohe Fenster hinter dem Altar ist oben breit ausladend wie ein Kreuzesbalken. Es steigt von dunkler Gestaltung zu immer größerer Helligkeit auf. Eigentlich ist es kein „Bild", die Formen sind nur angedeutet. Mit dem Zeichen der sieben Schmerzen Mariens, die im Dunkel ihres Mitleidens unter dem Kreuz stand und mit der Erlösung durch Christus auch selbst zur Verherrlichung gelangte, regt das Fenster zur Betrachtung an. Die leidvolle Geschichte unserer kleinen Diasporagemeinde ist ein Stehen unter dem Kreuz, deutlich auch besonders in der Erfahrung des Verlustes der früheren Pfarrkirche. Die Trostlosigkeit wird in der neuen Marienkirche mit der Symbolik dieses Fensters hoffnungsvoll aufgehellt: Mit Maria aus dem Dunkel des Leids zur verherrlichten Kreuzeswirklichkeit.

Die vielen Besucher staunen und freuen sich mit uns über diese formgewordene Predigt der Frohen Botschaft unseres Heiles.

Ergänzung

Von 2002 bis 2006 ist Pfarrer Georg Leder der Pfarradministrator der Pfarrkuratie St. Maria Storkow. 2006 wird die Pfarrkuratie St. Maria aufgehoben und kehrt wieder zurück nach Beeskow zur Pfarrkuratie Heilig Geist.